Geschichte

Zur Geschichte der Pfarrei Wollerau

 

 Pfarrkirche Wollerau

 

Die Pfarrkirche Wollerau liegt auf der ersten Terrasse über dem Zürichsee. Diese hundert Meter über dem See gelegene Ebene ist von der Pfarrkirche bis zum Rütibühl rund ein Kilometer breit und wurde seit dem 8. und 9. Jahrhundert allmählich besiedelt. Es ist anzunehmen, dass zur Zeit der Ersterwähnung des Orts durch die urkundliche Nennung der Ritter Ulrich und Rudolf von Wollerau anno 1217 bereits eine Kapelle vorhanden war. Jedenfalls wird im Abgabebuch des damals zuständigen Bistums Konstanz für das Jahr 1370 eine Marienkapelle erwähnt. Die Kaplanei Wollerau, die alle Gebiete nördlich und westlich des Krebsbaches umfasste, gehörte damals zur Pfarrei Richterswil. Was östlich und südlich dieses Scheidebaches lag, war zuerst Teil der Urpfarrei Ufnau, und ab 1308 Bestandteil der damals gegründeten Pfarrei Freienbach. Erst während der Helvetischen Revolution wurden anno 1800 ganze 20 Bauernhöfe vom Neufeld über Allenwinden, Vogelnest, Sihlegg, Roos, östliche Obermühle bis zur Untermühle der Pfarrei Wollerau zugeteilt. Die damals erweiterte Pfarrei Wollerau wurde im Jahre 1848 bei der Schaffung der politischen Gemeinde Wollerau zum Grundmuster der territorialen Zugehörigkeit, wie sie noch heute existiert.

Von den Kaplänen, die in Wollerau amteten, ist ab 1496 einzig Peter Bottenweiler urkundlich gesichert. Obwohl die Mutterpfarrei Richterswil im Jahre 1529 zur Reformation übertrat, verblieb die Kaplanei Wollerau beim alten Glauben, weshalb sie der Bischof von Konstanz am 18. Oktober 1536 zur Pfarrei erhob und juristisch von Richterswil abtrennte. Als Abfindung vom gemeinsamen Kirchengut der Pfarrkirche Richterswil erhielt die neugegründete Pfarrei Wollerau lediglich das Maria-End-Bild, eine heute im linken Seitenaltar aufbewahrte spätgotische Figurengruppe, den Tod Mariens darstellend. Noch im 20. Jahrhundert erzählten die alten Wollerauer, dass sich ihre Vorfahren damals von den Zürchern als übertölpelt gefühlt hätten, weil sie viel mehr Kirchengut als Kirchenschatzanteil erwarteten.

Nichtsdestotrotz wurde anno 1558 die alte Marienapelle abgerissen und am 1. September 1559 die neue Kirche zu Ehren der hl. Verena eingeweiht. Am 2. Mai 1702 überführte man in einer feierlichen Translation die Gebeine der römischen Katakombenheiligen Columba in die Wollerauer Pfarrkirche. Ihr ist der rechte Seitenaltar geweiht. Der aus der Obermühle stammende Wollerauer Pfarrer Joseph Franz Kümin war der Initiator für den Neubau von Kirche und Pfarrhaus vor Ende des 18. Jahrhunderts. Am 5. April 1779 begann er seine „Betteltour“ in Wollerau und den umliegenden Gemeinden, von Haus zu Haus, von Behörde zu Behörde. Sogar vom Kloster Einsiedeln und vom Stand Zürich erbat er sich Beiträge für die Neubauten. Unter Baumeister Nikolaus Purtschert, der als Generalunternehmer laut Bauakkord 7500 Gulden Gehalt erhielt, wurde zwischen 1781 und 1787 die heutige Pfarrkirche und 1792 das Pfarrhaus erstellt. Lange Zeit stritten sich die Kirchgenossen, ob der Chorteil nach Westen oder nach Osten orientiert werden sollte. Von besonderer Bedeutung sind die in Marmor gehaltenen Hoch- und Seitenaltäre, die 1786/87 vom italienischen Meister Giudici aus Saltri geschaffen wurden, ebenso die Deckengemälde von Meister Johann Georg Messmer und seinen Söhnen Joseph Anton und Johann Nepomuk. Die drei Künstler waren auch in den Pfarrkirchen von Feusisberg und Gersau tätig.


Pfarrer Joseph Franz Kümin verstarb im August 1794 und erlebte die Kirchenweihe, die der politischen Umstände halber erst am 30. Juli 1797 stattfinden konnte, nicht mehr. Der initiative Dorfpfarrer wurde im Chor beim Eingang zur Sakristei bestattet und das Grab bei den Restaurationsarbeiten anno 1985 entfernt.


Im Jahre 1808 konnten die Wollerauer Pfarreiangehörigen vier Glocken aus dem in Süddeutschland säkularisierten Wallfahrtskloster Birnau bei Ueberlingen käuflich erwerben.

Nachdem im 19. Jahrhundert einige damals zeitgenössische Malereien in der Kirche angebracht wurden, eliminierten die Kirchen-Innenrestaurationen von 1934 und 1985 diese Relikte vergangener Zeiten. Im Jahre 1965/66 war eine Aussenrestaurierung notwendig. Gleichzeitig konnte das Geläut um eine grosse Glocke erweitert werden.
Im Jahre 1967 wurde die römisch-katholische Kirchgemeinde gegründet. Sie ist seit dato Trägerin des Finanzwesens der Pfarrgemeinde.

Von den Pfarrherren in Wollerau ist für die Zeit vor 1642 nichts bekannt. In diesem Jahr begann Pfarrer Michael Stadlin von Zug mit der Installation der Tauf-, Ehe- und Sterbebücher, die seit dato sich noch immer im Pfarrarchiv befinden. Viele andere archivalische Dokumente zur Geschichte der Pfarrei sind nach 1870 verschwunden. Der Einsiedler Pater Justus Landolt, der 1874 die „Geschichte der Orts- und Kirchgemeinde Wollerau“ publizierte, hat die damals noch vorhandenen Archivalien wortgetreu abgeschrieben und sie anno 1859 zurück ins Pfarrarchiv gelegt. Nach seiner Publikation sind die Originale weitgehend verschwunden, deren Inhalte aber sind durch die landoltschen Abschriften bekannt.

Dr. Werner Röllin, Wollerau


Quellen: Anja Buschow Oechslin. Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz. Neue Ausgabe Band IV. Der Bezirk Höfe. Bern 2010.
Albert Jörger. Die Pfarrkirche St. Verena in Wollerau. SKF, Nr. 572. Bern 1995

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